24 Juli 2008

Videospieleentwicklung kann echt der Horror sein, sagt Peter Molyneux


Noch'n Molyneux-Artikel? Ja, alles Bitten und Betteln hilft nichts, da müsst ihr jetzt durch. Denn auch in diesem netten E3-Interview sprach der Guru, Peter Molyneux, gar Interessantes an, was nicht nur Einsicht in seine, sondern die Arbeit der gesamten Branche gibt.

So erklärte Peter gegenüber VideoGamer.com auf die Anmerkung, Fable 2 sei 'sehr viel', dass eben dieses eines der größten Sorgen bei Lionhead sei. Fable 2 und vergleichbar große und komplexe Spiele wären schließlich kein einziger langer Korridor, sondern bieten dem Spieler teils unvorhersehbare Möglichkeiten. Er könne überall hingehen, Waffen kaufen, wichtige Personen töten, die ihm eventuell gerade eine Quest erteilen - und das sei chaotisch und schwer auszubalancieren. Es wäre im Ganzen, so Peter Molyneux, sogar ziemlich erschreckend.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen, höre man bei Lionhead auch auf die Fans. Vor allem Peter selbst schaue sich an, was die Meute so sagt.

Ich lese die Internetforen und ich schreibe auch gelegentlich unter einem Pseudonym. Ich habe diesen Jungs für manche Features in Fable (2) wirklich zu danken, da ich ohne die Foren nie darauf gekommen wäre. (...) Manchmal ruft man sie auf, schaut rein und sieht, dass die Schreiber etwas kristallklar ansprechen, wo du dann denkst 'Jesus, wie konnte ich so dumm sein?'. (...) Und dann sind da noch die überaus verwirrenden Sachen, die mich als Designer wahnsinnig werden lassen. Eines von diesen war ein ganzer Thread in einem Forum, in dem es nur um die Länge des Spiels ging.
Manchen, so Peter Molyneux, wäre Fable 1 viel zu kurz gewesen. Andere hätten behauptet, dass es genau die richtige Länge gehabt hätte. -- Das sei etwas gewesen, wo er sich fragte, was zum Teufel er da machen soll. Schließlich kam er auf die Idee, dem Spiel quasi eine variable und vom Spieler zu bestimmende Länge zu verpassen. Fable 2 ist in 12 Stunden durchspielbar – aber mit Einschränkungen. Wer alles an Möglichkeiten mitnehmen möchte, kann und darf durchaus zahlreiche Stunden mehr in Albion verbringen.
(...) wenn du das Spiel in 12 Stunden schaffst, hast du vieles ausgelassen, das dir die goldene Linie (eine Art Kompass) anbietet. Das heisst, du beendest das Spiel arm, allein, als unbeliebter aber bekannter Held. Investierst du etwas mehr Zeit, ein paar Stunden etwa, wirst du reicher sein, hübschere Kleidung tragen und siehst auch noch besser aus.
Diese und andere Ideen lassen Fable 2 schon recht gut wirken und auch erste Preview prophezeien ein tolles Spielerlebnis. Das ist etwas, das dem Designer Denis Dyack von Silicon Knights mit dem Spiel Too Human nicht vergönnt ist. Das allseits bekannte NeoGAF-Forum kritisierte das Spiel – das übrigens erst im August erscheint – ziemlich harsch. Und im Eurogamer-Forum hatte ein Spieler dann wenig später behauptet, Too Human getestet zu haben und bezeichnete es als das 'schlechteste Spiel, das ich in den letzten 5 Jahren gespielt habe'. Daraufhin platze Dyack wohl der Kragen und er legte sich auf garstigste mit NeoGAF an, was seinem Ruf nicht gerade zuträglich war.

Peter Molyneux kommentierte das mit den Worten, dass ihm Denis Dyack in dieser Beziehung durchaus Leid täte. Molyneux selbst hat nach Black & White und Fable 1 genug Erfahrung mit Kritik sammeln können und weiss derweil damit umzugehen.
(...) ich denke, dass einige Dinge falsch ausgedrückt wurden. Da war diese unglückliche Präsentation an der E3 einige Jahre zuvor. Jeder einzelne Sprang auf den Zug auf und sagte etwas über Too Human. Ich habe es jetzt gespielt und, weisst du was, es ist ein ganz gutes Spiel. Einen Großteil der harschen Kritik hat es wirklich nicht verdient.
Doch, so Peter, sei es schwer den Ruf eines Spieles wiederherzustellen, wenn's schon derart niedergemacht wurde – außer man kann wirklich einen Trumpf aus dem Ärmel schütteln, der sagt 'Ahaa, und was ist damit?'.

Picture (C)Lionhead

6 Comments:

Anonym said...

Wow, das Molyneux in Foren rumstreift hätte ich nicht gedacht. Der ist immerhin einer von den ganz alten Hasen die noch jeden einzeln mit dem Hammer zurechtgeschlagen haben.

Anonym said...

Das macht Peter Molyneux dann doch wieder sympatisch. Die Fans haben eben auch manchmal ziemlich gute Ideen die ein Spiel besser machen.

Der F1sCH

DAsMastermind said...

Ach der Molyneux ist doch total durch. Der kündigt was an, labert ewig rum, kriegt dann den Deckel nicht zu ... und was kommt raus? So ein Mist wie Fable oder Black and White. Der soll weniger labern und sich mehr auf das konzentrieren was seine Arbeit ist ...

Anonym said...

Ach hort dochmal mit dem Rumgehacke auf Molyneux auf! Der Mann hat wenigstens noch die Eier, eigene Ideen und Visionen zu verwirklichen, nicht wie andere die immer nur das gleiche MAchen!

HomiSite said...

Zu Too Human:

Ich habe die Demo gespielt und finde das Spiel recht überflüssig. Abgesehen davon, dass der Inhalt sicher seit 1999 zigmal verändert wurde, ist es nun eine Mischung aus Diablo bzw. Hellgate London und Devil May Cry mit scheinbar simplen Gameplay (aber meist sehr netter Grafik). Das Spiel kommt einfach zu spät.

micha | neuerSpieler said...

@ all - Zu Too Human mag ich eigentlich nicht viel sagen. Doch dass das Spiel viele Veränderungen durchgemacht hat, ist klar. Freilich kann das ein Spiel ziemlich unausgereift wirken lassen.

Was Molyneux betrifft, ja er ist einer der alten Hasen. Und dass er sich in Foren rumtreibt mag ungewöhnlich erscheinen, ist es aber nicht. In manchen Studios ist das sogar quasi Pflichtprogramm, zu schauen, was die Fans so treiben.