11 Juli 2008

LMK – Der Diablo-Killer, den es nie gab!


Bis heute stellt Diablo 2, das im Jahr 2000 erschien, für viele das Maß aller Dinge im gepflegten Hack & Slay Rollenspiel-Genre dar. Doch, falls man den damals sehr begeisterten Previews der Spielepresse glauben darf, hätte das auch ganz anders aussehen können. Denn schon vor dem Diablo-Sequel hätte LMK - The Lady, the Mage and the Knight auf den Markt kommen und die Welt der Rollenspiele kräftig durchrütteln sollen.

The Lady, the Mage and the Knight – für Deutschland als 'Legenden der Magierkriege' geplant – war das erste Projekt der belgischen Larian Studios und das letzte des deutschen Spieleentwicklers Attic. Der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde LMK auf der E3 '98, wo es direkt neben Baldur's Gate, Fallout 2 und Ultima: Ascension um Aufmerksamkeit buhlen musste – und das auch ganz gut hin bekam. Denn dem Spieler versprach man ein geradezu 'episches' und sehr storyintensives Rollenspiel in einer Welt voller Fantasie, Monster und dunkler Magie. Genauere Details zum Projekt gab's dann erst einige Zeit später: Denn dann wurde klar, dass es sich bei LMK um einen Mix aus klassischem und Hack & Slay-Rollenspiel handeln sollte, der in der Welt von 'Das Schwarze Auge' angesiedelt war. Alleine letzteres hätte damals für einen annehmbaren Erfolg ausgereicht, denn Spiele im DSA-Universum waren sehr beliebt – nicht zuletzt dank der stets guten Storys.

Und bei Larian Studios und Attic wollte man mit dieser Tradition nicht brechen. LMK sollte in der DSA-Region Aventurien spielen, in der gerade die Magierkriege toben und es eine junge Elfe, einen Magier und einen tapferen Ritter, dank bzw. undank eines Schiffsunglücks, auf eine mysteriöse Insel namens Rulat verschlägt. Auf dieser wütet zudem gerade eine geheimnisvolle Krankheit, die nach und nach die Bevölkerung, deren Vieh und auch andere Tiere des kleinen Eilandes hinwegrafft.

Neben einer guten Story bot LMK aber noch mehr. Nämlich eine, für die damalige Zeit, geradezu grandiose Grafik. Zwar präsentierte sich das Spiel in der üblichen Iso-Perspektive, doch die konnte sich dank gelungener Animationen, toller Texturen und farbiger Lichtquellen und einer recht dynamischen Umgebung sehen lassen.

Da die Arbeit an LMK eigentlich recht schnell voran ging, hätte es sogar noch vor Diablo 2 erscheinen können. Doch dann stockte die Entwicklung und die zwei Studios, Larian Studios und Attic, brachen die Zusammenarbeit ab – zumindest angeblich. Auch von Geldproblemen war die Rede. In einem Interview erklärte das Larian Studios-Team später, dass der Publisher Infogrames sechs Monate vor dem erwarteten Gold-Status kalte Füße bekam und den Vertrieb nicht mehr übernehmen wollte. Und die Suche nach einem neuen Vertriebspartner war wohl erfolglos. Doch was genau der Grund für das Aus war weiß man nicht. Jedenfalls wurde The Lady, the Mage and the Knight trotz weitgehender Fertigstellung im Jahr 2000 unwiderruflich eingestellt.

Für Attic war LMK, wie gesagt, das letzte Spiel – das Studio wurde dann 2001 geschlossen. Die Larian Studios gibt es hingegen heute noch. Sie veröffentlichten später die Rollenspiele Divine Divinity und Beyond Divinity, welche allerdings – entgegen mancher Vermutungen – nichts mit LMK gemein haben. Als Anspielung auf das gescheiterte Projekt finden sich in Divine Divinity sogar drei Gräber: Eines für eine Elfe, eins für einen Magier und eines für einen Ritter.

Übrigens: Wer etwas mehr über LMK erfahren möchte, der kann sich mal auf Valaraukar.de umschauen, der Homepage eines Grafikers, der an dem Rollespiel mitgerarbeitet hatte.

4 Comments:

Anonym said...

Dass sich noch jemand an LMK erinnert ... nicht zu fassen. Das letzte mal hatte ich etwas darüber in einer Ausgabe von der Gamestar gelesen und das ist schon recht lange her.

Anonym said...

Danke dafür ;) Bin gerade durch die Rollenspielausgabe von PC Games drauf gestoßen worden ...

HomiSite said...

Zumindest die Engine wurde wohl für die Divine-Reihe benutzt (die ungewohnte Perspektive ist ziemlich einzigartig).

Divine Divinity ist übrigens ein sehr schönes Spiel, gar nicht so Diablo-artig wie befürchtet. Hänge noch am Ende fest.

micha | neuerSpieler said...

@ anonyms - Ja, gab sehr lange nichts mehr davon zu hören, was sehr schade ist. Das PCGames Rollenspielenspecial werd' ich mir wohl morgen holen.

@ HomiSite - Das mit der Engine kann man nicht genau sagen. Allerdings ist's wirklich so, dass sich die alten Screenshots von LMK und die von Divine Divinity sehr gleichen. Auch wurden wohl einige Charaktere und Effekte leicht abgeändert übernommen.