01 Mai 2008

Wenn Peter Molyneux in Madame Tussauds stehen würde


Im MTV Multiplayer Blog hat Patrick Klepek vor kurzem mal wieder ein interessantes Thema aufgegriffen. Eines über das ich mir schon länger Gedanken machte: Warum liest man in der Videospiele-Fachpresse eigentlich fast nur über die Spiele und so selten über die Menschen dahinter? Wer sind die Entwickler, die Programmierer, die Designer? Warum werden sie nicht ähnlich wie Regisseure und Produzenten als Stars gefeiert? Schließlich spülen sie schon seit einiger Zeit weit mehr Geld in die Kassen als so mancher Schauspieler oder Musiker es könnte!

Laut dem Analysten Evan Wilson von Pacific Crest Securities, das liest man bei MTV Multiplayer, würden viele Spieleschmieden und Publisher gar nicht wissen, was sie an ihren Entwicklern und Game Designern eigentlich haben. Statt diese weiterhin als austauschbare Arbeitskräfte zu betrachten, sollten sie deren Talent und Status fördern und sie eben gewissermaßen zu Stars der Branche machen.

Tatsächlich gibt’s in der Branche wirklich nur wenige richtig bekannte Namen. Ich würde auf Anhieb nur Peter Molyneux, Will Wright, Hideo Kojima, Sid Meier, Shigeru Miyamoto und Richard Garriott nennen können. Zwar gibt’s noch einige andere, die man als 'prominent' bezeichnen könnte – doch einen annähernden Star-Status würde ich eigentlich nur den oben Genannten ohne Diskussion zugestehen.

Aber zurück zu Evan Wilson: Er sagt, dass es nur wenige Menschen auf der Welt gibt, die die Fähigkeit haben, richtige Hits landen können. Also nicht nur einen, sondern viele. Und genau wie in anderen Medienformaten sollten diese besonderen Menschen, auch wenn sie in der Videospiele-Branche arbeiten, als Stars wahrgenommen werden. --- Da würden also irgendwann nicht mehr nur Britney Spears, David Beckham, die Beatles und Kate Moss in Madame Tussauds stehen und in den Klatschblättern erwähnt werden, sondern eben auch Shigeru Miyamoto, Peter Molyneux und andere Legenden und Aufsteiger der Games-Welt. --- Das sei für die Spieleschmieden und Publisher zwar nicht gerade billig, würde sich aber über lange Zeit mehr als auszahlen, meint jedenfalls Wilson.

Leider würde der Star-Status von Game Designern aber nicht nur erste finanzielle Hürden mit sich bringen, sondern auch größere Probleme, weshalb die Publisher Star-Designer wohl nicht so gerne sehen würden. Und das bestätigte jetzt auch Peter Molyneux im Guardian - er, der trotz einiger Fehlgriffe immer noch als Guru angesehen und gefeiert wird.

Ich denke nicht, dass es Publisher gerne sehen würden, wenn bestimmte Leute mit einem bestimmten Franchise übermäßig in Verbindung gebracht würden. Ich denke nicht, dass sie möchten, dass Peter Molyneux für das Fable-Franchise bekannt ist oder irgendeine bekannte Person mit einem Franchise assoziiert wird, weil, wenn diese Person geht, dann geht das Franchise mit ihr.
Und da hat Peter vollkommen recht – das konnte man schon in anderen Medienformaten sehen. Nicht wenige Fernsehserien scheiterten oder schwankten, als ein bestimmter Schauspieler den Cast verließ. Oder erinnert sich noch jemand an den Aufstand, zu dem es kam, als Marge von den Simpsons plötzlich von Anke Engelke synchronisiert wurde? Ich finde die neue Stimme auch heute noch irritierend. Und wer würde sich Indiana Jones 4 ohne Steven Spielberg im Regiestuhl und George Lucas als Produzent anschauen? Wohl nur wenige.

Und genauso ist das eben auch in der Videospiel-Branche. Daher sei es für viele große Publisher – jedenfalls nach deren Ansicht - besser, die geistigen Väter großer Hits zu 'anonymisieren'. Nicht eine Person, sondern das Studio oder der Publisher als Ganzes soll der Star, der Gefeierte sein. Und das ist, so Molyneux, eigentlich eine Schande! Denn gerade da Spiele immer teurer, größer und die Mitarbeiter zahlreicher werden, ist jemand gefragt, der die Vision, die Richtung der Entwicklung eines Spieles vorantreibt und den Überblick behält - und letztlich die Verantwortung trägt. Jemand der dafür sorgt, dass alles am Laufen gehalten wird.
Ich glaube, es ist jetzt klarer als jemals zuvor, dass ein Director oder Produzent – oder ein 'Visionär' – ein Franchise in der Spur hält. (...) Es ist nicht so, dass diese Teams (Anm. die die Spiele entwickeln) in einer kommunistischen Weise funktionieren und jeder seine Ansicht hat, weshalb du nicht sagen könntest, dass dieses Spiel von dieser Person vorangetrieben wird. Das ist einfach nicht wahr. Du kannst keine 100 Leute an einem Projekt arbeiten lassen, ohne eine klare kreative Führung.
Es ist natürlich richtig und wahr, dass in vielen – insbesondere in kleinen – Studios die Mitarbeiter, egal ob Programmierer oder Grafiker, auf einer Stufe stehen und jeder von ihnen gleich wichtig ist, doch gibt es auch stets jemanden, der letztlich sagt, wo es lang geht und der nach Feierabend das Licht ausmacht. Nach Molyneux sollte diesem jemand aber auch allen anderen ein Gesicht und ein Name zugestanden werden – daher gibt’s bei Lionhead, seinem Studio, auch ein Videotagebuch in dem einzelne Mitarbeiter über ihre Arbeit berichten.

Entwickler und Publisher sollten keine Angst und Scheu haben, zu zeigen, wer die Leute hinter den Spielen und dem Logo sind. Und so lange sie diese Menschen, die Stars, auch gut behandeln, sie achten, ihnen ihre Freiheiten und eine angebracht Bezahlung für ihre Leistung zugestehen, müssen sie auch keine Furcht haben, diese Leute zu verlieren. Wenn nicht, so Molyneux etwas früher bei Focus, werden diese "einfach ihr Ding machen und gehen, wenn ihnen was nicht passt." Und das kann für den Spieler meist nur von Vorteil sein.

Nur so ein Gedanke.

Picture (Press Photo) by Lionhead

6 Comments:

Anonym said...

Sehr inspierierend und sehr wahr! Aber es wird wohl niemals ein Designer eine Fangemeinde wie Robbie Williams oder Christina Aguilera haben, das kann ich mir nicht vorstellen.

Anonym said...

Molyneux in Madame Tussauds ??? Ehrlich da jagst du einem einen Schrecken ein. Dass was der Molyneux sagst ist aber wohl schon irgendwie wahr... EA und die anderen wollen sicherlich keine Designer die Stars sind und dann auch noch Staralüren entwickeln.

Anonym said...

Murharhar, der Molyneux ... der kriegt seit jahren kein gescheites Spiel mehr hinne labert aber trotzdem überall rum.

Cyn-Mode said...

In der Branche sollte es keinen Starkult geben, der hat auch Film und Fernsehen nur geschadet! Nein Danke!

micha | neuerSpieler said...

Wie geschrieben, ist nur so ein Gedanke, den ich mit Molyneux teilweise teile. Und ein Starkult, ja das wäre wohl etwas zuviel des guten. Aber ich meine schon, dass die Designer Respekt für ihre Leistung verdienen und daher nicht von den Entwicklern und Publishern "versteckt" werden sollten.

Anonym said...

Echt nachdenklich machender Text. Doch Will Wright, Peter Molyneux und die anderen sind doch eigentlich keine Stars sondern eher sowas wie Legenden ... und wo ist eigentlich der Warren Spector?