15 Mai 2008

Eine Anmerkung zu sog. Killerspiel-Studien


Wenn es um Killerspiele oder sogenannte 'gewalthaltige' oder 'gewaltbeherrscht' Video- und Computerspiele und deren Verbot geht, dann kommen Politiker früher oder später auf Studien zu sprechen, die die Videospiele als ein "abstumpfendes Medium" oder sogar als Auslöser für Amokläufe geiseln. Nun, ...

... die Sache ist die: Ja, diese Studien gibt es. Auch wenn unsere Politiker gerne mal Fakten verdrehen und ignorieren, lügen tun sie in diesem Fall nicht. Gerade berichtet heute.de etwa über drei Studien, die "brutale PC-Spiele" (nicht Video-, sondern nur PC-Spiele) als das "größte Risiko für Jugendkriminalität" identifiziert haben wollen.

Grundsätzlich kämen zwar verschiedene Ursachen in Betracht, wie etwa familiäre Armut, eine schlechte Eltern-Kind-Beziehung oder ein besonderes Lebensumfeld (...) Stärkster Faktor sei aber der Konsum von Mediengewalt, wie eine Studie des Münchener Schulpsychologen Werner Hopf ergab.
Problematisch ist aber bei derzeitigen Studien zu diesem Thema: Es existieren auch unzählige Studien, die das Gegenteil beweisen – nur bekommen diese nicht soviel Medienecho. So berichtet etwa aktuell MCV UK und das International Journal of Liability and Scientific Enquiry, dass eine Gemeinschaftsstudie der University of Essex und einigen andere Einrichtungen zeigt, dass Spiele wie GTA IV Aggression und Gewalttätigkeit mindern würden – und sich mit ihnen auch die Gewaltverbrechen reduzieren. Die Behauptung, dass Computer- und Videospiele zu Gewaltverbrechen führen würden, so sagte Studienmitglied Patrick Kierkegaard, wäre "fadenscheinig". Telepolis hat sich das Ganze mal genauer angeschaut.

Nun ist die Frage, wem soll man letztlich nun glauben? Dem der am unabhängigsten und sachlichsten arbeitet? Klar doch. Aber wie soll man bewerten, wer das ist? Letztlich sieht's ja dann doch so aus, dass man die Studie wählt, die am besten zur eigenen Meinung passt.

Oder man wählt die goldene Mitte: Und die wäre wohl Grand Theft Child, ein Buch samt umfassender Studie, die sowohl Vorurteile und Mythen zu Computerspielen enttarnte als auch einige Risiken offenbarte, die man nicht unterschätzen sollte.

8 Comments:

Anonym said...

Ja, jedem das seine ... oder so. So ein Schwachsinn ist das. Der eine sagt das, der andere das. Und alle meinen sie hätten recht.

Anonym said...

"Grundsätzlich kämen zwar verschiedene Ursachen in Betracht, wie etwa familiäre Armut, eine schlechte Eltern-Kind-Beziehung oder ein besonderes Lebensumfeld ..."

Ist klar, Armut, Prügel vom Vater machen ein Kind nicht aggressiv ... aber Computerspiele.

Anonym said...

So ist die moderne Wissenschaft. Wenn genug Geld im Spiel ist, lässt sich alles beweisen.

Anonym said...

Volle Zustimmung. Es sucht sich eh jeder das raus was ihm gerade so in den Kram passt. Insbesondere unsere integeren Politiker.

micha | neuerSpieler said...

Danke für die Zustimmung, Leute.

Weltentänzer said...

Hallo

Aus meiner Sicht besteht das weitaus größere Problem in der Tatsache, das durchgeführte Studien nicht repräsentativ sind.

Als Vergleich kann ZB diese Studie herhalten (der Einfachheit halber aus meine Blog kopiert).
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Laut einer neuen britischen Studie sollen Killerspiele beruhigend auf Spieler wirken.
Das fatale daran ist, dass das getestete “Killerspiel” eine USK und PEGI Freigabe ab 12 Jahre erhalten hat.
Die von der Gaming Website “Develop Magazine” veröffentlichte Studie bestand aus 292 Frauen und Männern im Alter zwischen 12 bis 83 Jahren. Die Probanden füllten bei Studienbeginn einen vorgefertigten Fragebogen zu den Themenwelten Agression und Wut aus, den sie abschließend mit Angaben zur eigenen Persönlichkeit vervollständigten.
Danach erfolgte eine zweistündige Partie (man lese und staune) World of Warcraft (WoW).
Zum Abschluss der Studie füllten die Probanden abermals den gleichen Fragebogen aus.
Die Auswertung führte zu dem Ergebnis, das sich ein Großteil der Testpersonen beruhigter und entspannter fühlte als vor dem Spiel.
Da “World of Warcraft” schon ab 12 Jahre freigegeben ist, sollte das aber auch niemanden verwundern.

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Gruß
Der Weltentänzer

micha | neuerSpieler said...

@ Weltentänzer - Du hast da wirklich nicht unrecht. Dass die meisten Studien zu Videospielen im allgemeinen nicht gerade repräsentativ sind, das ist Tatsache. Und das liegt darin begründet, dass die Studienleiter meist keine Ahnung von Videospielen haben ... oder eben von bestimmten, sagen wir, Personen finanziert werden.

Weltentänzer said...

Eben drum... wenn auch mein Feedback etwas verspätet eintrudelt. ;)

Gruß
Der Weltentänzer