29 Mai 2008

Eigentlich war alles anders | Halo: Combat Evolved


Ein epischer Krieg. Eine künstliche Welt, die von einer fremden Rasse erbaut wurde. Das sind die Stoffe, aus denen gute Science Fiction-Romane oder auch fantastische Computerspiele gemacht werden. Bungie hat letzteres geschafft. Doch wer heute Halo: Combat Evolved (bzw. Kampf um die Zukunft) oder einen der beiden Nachfolger spielt, der hat ein Spiel im PC oder der XBox(360) laufen, das mit den ursprünglichen Plänen für Halo nicht mehr viel gemein hat.

Glaubt's, oder glaubt's nicht: Als bei Bungie die Arbeiten an dem Projekt Halo begann, hatte man alles andere als einen geradlinigen Ego-Shooter im Sinn. Ein Taktik-Spiel, angelehnt an das System des Games Myth, hätte es werden sollen: "(es) war Myth in einem SciFi-Universum. Es existieren immer noch Builds von dem Spiel, wo du marodierende Marines durch eine Echtzeit-3D-Umgebung steuerst – komplett mit Fahrzeugen, die man später als Ghosts und Warthogs kennen lernte. Es sah spaßig aus."

Doch allzu lange bestand diese Idee für das Halo-Taktik-Spiel nicht. Leider. Stattdessen sattelte man das noch rudimentäre Halo-Universum auf einen soliden Third-Person Shooter alá Tomb Raider um, der erstmals auf der E3 hinter verschlossenen Türen und später auf der MacWorld 1999 mit Hilfe von Steve Jobs präsentiert wurde. Dass Spiel das für den Mac und PC erscheinen sollte, hatte für Lobpreisungen und beeindruckte Videospieljournalisten gesorgt. Denn: Etwas in den Dimensionen, der graphischen Pracht von Halo hatte man bis Dato eben noch nicht gesehen.

Die Version von 1999 bis 2000, die man auch heute noch in einem Trailer bestaunen kann, zeigte eine weit lebendigere und umfangreichere Welt als das spätere Spiel. Die gigantische Ringwelt sollte ohne Barrieren daherkommen und – zumindest den Plänen nach - frei erkundbar sein. (Das geplante Gameplay könnte man wohl mit dem von Crysis vergleichen.) Darüber hinaus gab es eine reichhaltige Fauna, die die Welt besiedelte. Riesige Dinosaurier und kleine zweibeinige Echsen sollten anzutreffen sein, von denen man einige auch hätte reiten können. Natürlich sah zu dieser Zeit auch der Master Chief noch ganz anders aus. Seine MJOLNIR-Rüstung war mit einer Antenne und einem weit größeren Glasvisir ausgestattet. Und in den Waffenarsenalen waren noch Macheten, eine Gatling Gun, verschiedene Raketenwerfer, eine Maschinenpistole und auch das Scharfschützengewehr der Covernant vorhanden, welches sich später in Halo 2 wiederfand.

Mitte des Jahres 2000, genauer am 19. Juni, gab Microsoft bekannt, dass man Bungie aufgekauft habe. Damit schlug Halo einen neuen Pfad ein. Statt, wie eigentlich vorgesehen, sollte das Spiel nicht mehr für Mac und PC, sondern für die angekündigte Spielkonsole XBox erscheinen – zunächst exklusiv.

Dieses zog freilich einige Probleme nach sich. Die Engine des Spieles musste weitgehend neu geschrieben werden. Dabei ist natürlich vieles unter den Tisch gefallen oder musste gestrichen werden, um der Konsole gerecht zu werden – aber auch um eine Überforderung zu verhindern und andererseits, eine möglichst gute Ausnutzung der bereitstehenden Ressourcen zu gewähren. Auch ging man hier den Schritt, Halo von einem Third-Person in einen Ego-Shooter zu wandeln und auch ein geplanter umfangreicher Online-Part wurde gekappt.

Was dann auf der E3 2001 gezeigt wurde, war nicht mehr das Spiel, das man 2000 auf der MacWorld zusehen bekam. Das Grunddesign, die Grafik, die Farbgebung – Halo wirkte nun weit weniger 'dreckig' und hart, sondern sauber und bunt - und das Gameplay unterschieden sich deutlich von dem Ur-Halo. Auch war die Welt nicht mehr offen, sondern sehr linear und in einzelne Level unterteilt. Zwar waren sich die Kritiker trotzdem einig, dass Halo ein sehr gutes Spiel sei – doch die tief greifenden Änderungen enttäuschten weitgehend. Man hatte sich deutlich mehr erwartet.

Letztlich kann man sagen, dass das heutige Halo (und auch die Nachfolger) nicht das Spiel ist, das einst von Bungie geplant war – und das es hätte werden können. Wer Marathon (Achtung! Insider) gespielt hat, der wird das sicherlich wissen. Nichtsdestotrotz ist das heutige Halo sehr nett und hat seine Fans und die guten Kritiken mehr als verdient.

In diesem Sinne: Hoffen wir, dass Microsoft und Bungie die Halo-Idee nicht zu Tode reiten.

2 Comments:

Anonym said...

Also mit Dinos und Tieren wäre Halo der Hammer gewesen ... !

Anonym said...

Also der Trailer macht echt was her. Und als THird Perosn shooter könnte ich mir Halo auch gut vorstellen.