08 Mai 2008

Bild, Killerspiele und ein Haus der Jugend


Eigentlich hatte dieser Tage natürlich erwartet, in der Bild bzw. bei Bild.de etwas zum Thema Killerspiele zu entdecken. Schließlich ist gerade erst Grand Theft Auto IV erschienen – eine Schlagzeile wie "Brutale Mörder-Spiele im Kinderzimmer" hätte mich daher nicht gewundert. Doch was kommt stattdessen: "Killerspiele im Jugend-Zentrum" – eine Counter Strike-Story.

Worum's geht? Im Haus der Jugend in der Manshardtstraße in Hamburg stehen Jugendlichen Computer zur Verfügung. Und an denen können sie u.a. Counter Strike spielen, worüber sich nun Bild und ein gewisser Herr Haufler aus dem Jugendhilfeausschuss aufregen. Skandal! Und das hoch drei!

Das Computerspiel ist an Brutalität kaum zu überbieten. Terroristen bekämpfen Antiterror-Einheiten. Blut fließt in Strömen. Ziel ist es, so viele „Gegner“ wie möglich zu töten. (...) „Counter Strike“ (Gegenschlag) heißt der Mist.
So die Einleitung der Bild. Ob der Mist tatsächlich Counter Strike oder vielleicht doch Counter Strike: Source heißt, dass werden wir wahrscheinlich nie erfahren – auch wenn das ein himmelweiter Unterschied ist. Nichtsdestotrotz nehme ich einfach mal an, dass der Bild-Reporter gründlich wahr und zumindest den richtigen Namen des Spiel weiß. In diesem Fall (aber auch dem anderen) ist das Spiel in Sachen "Brutalität" doch sehr wohl zu überbieten – ich verweise da mal bloß auf Manhunt – in Deutschland "beschlagnahmt" - , Condemned und dessen Fortsetzung – beiden wurde die "Einstufung durch USK verweigert".

Was das Blut betrifft, da zitiere ich einfach die Wikipedia – eine Arbeit, die sich sogar ein Bild-Schreiberling hätte erledigen können:
Die zum Teil zensierte deutsche Version von Half-Life wurde zusammen mit dem Counter-Strike Mod von der USK ab 16 Jahren freigegeben. In ihr fließt kein oder lediglich gelbes Blut, ausgeschaltete Gegner fallen nicht zu Boden, sondern kauern sich kurz zusammen, bevor sie verschwinden. Die Counter-Strike:Source-Version aus dem „Valve Multiplayer Pack“ wurde ab 16 Jahren freigegeben und beinhaltet rotes Blut.
Darüber hinaus ist es nicht Ziel, so viele Gegner wie möglich zu töten. Das wäre Schwachsinn und ginge am Konzept des Spiels vorbei. Stattdessen sind die Ziele in Zusammenarbeit mit anderen Spielern Bomben zu entschärfen und etwa Geiseln zu befreien. Auf Seite der Terroristen ist es Ziel, eben dieses zu verhindern.

Nun kann man natürlich darüber streiten, ob Counter Strike ins Angebot eines Haus der Jugend gehört – man könnte der Leitung moralische Fehler vor'n Latz knallen -, doch illegal oder skandalös ist das nicht, falls man, wie der HdJ-Leiter sagte, "niemand unter 16 Jahren" an die Spiele ran ließ.

Update: Mittlerweile hat sich der von mir sehr geschätze BildBlog dem Thema angenommen. Danke dafür.

4 Comments:

Anonym said...

Typisch Bild!

Anonym said...

... und den Steinhäuser ziehen sie auch noch heran. Realsatire vom feinsten! Ich frag mich, ob die typen jemals ein Computerspiel live gesehen haben.

Ervin said...

Ganz ehrlich: Bild und RTL sind doch scheisse, wenn sie behaupten das CS dazu führt, das wir raus gehen und Menschen umnieten. Es kann nicht sein, dass immer wieder diese Hetzkampagnen gestartet werden. Fakt ist CS darf ab 16 gespielt werden, fakt ist auch das nur Jugendliche ab 16 CS im Haus der Jungend spielen durften. Also was soll der ganze Ärger??? Voll Unnötig!! Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweiss darüber, dass CS zu mehr Agression und Gewalt führt. Es liegt doch an den Jugendlichen selbst was sie mit ihrer Freizeit anfangen. Mit Sicherheit gibt es dort auch andere Aktivitäten. Und im LAN mit Freunden zu spielen ist doch eine Gruppenaktivität?

Übrigens RTL Regional hat einen Fersehbericht online gestellt, wo wir unseren Unmut auch als Kommentar ausdruck verleihen können (http://www.rtlregional.de/player.php?id=2154 ).

Wir müssen was tun!

Anonym said...

Lööööööööl. Lange nicht mehr so gelacht ... Blut fließt in Ströme ;) Ja, ne, is klar.

Und das Ding von RTL ist auch gut ;)