03 April 2008

Videospiele? Humbug und Zeitverschwendung!


Dass eine undifferenzierte, uninformierte und unobjektive Auseinandersetzung mit Video- und Computerspielen böse Folgen haben kann, das haben wir schon Anfang des Jahres gesehen. Daher könnte man behaupten, dass es Giles Whittell besser hätte wissen sollen, als er sich dem Thema 'böse Videospiele' annahm. Doch offensichtlich hat er es nicht besser gewusst und bekommt daher nun die Wut der Gamer zu spüren. Teils zu recht - aber auch übertrieben harsch.

Aber zum Anfang, damit ihr auch wisst, worüber ich hier schreibe: Giles Whittell ist Autor. Nicht unbedingt ein schlechter aber auch kein überragender, soweit ich das sehen kann. Er schrieb über den Zweiten Weltkrieg aber vor allem über Reisen und den fernen und nahen Osten. Soweit so gut. Nun schreibt der gute Giles aber nicht nur Bücher, sondern auch Kolumnen und Reportagen für Zeitungen. Unter anderem die britische Times. Und für eine Kolumne, die heutige, hat er ein Thema gewählt, das ihn bewegt aber von dem er scheinbar nicht so viel versteht: Video Games.

"Ich mag den Wind, den Regen, Zelte, Berge und frische Luft. Das ist der Grund, warum meine Kinder keine Nintedos kriegen", so beginnt Giles, was schon deutlich die Stoßrichtung des Textes anzeigt. Nur wenige Absätze später in der Kolumne kommt er dann auf den Punkt. Er (Zitat) 'hasst Videospiele, ob on- oder offline'. Er verabscheue es, wie sie Menschen in falsche Welten hineinziehen und festhalten. Und er hasse es auch, gesagt zu bekommen, dass er sich die Sache erstmal anschauen soll, bevor er ein Urteil fällt. "... es ist wie, gesagt zu bekommen, ich solle Heroin oder Teenager-Schwangerschaft ausprobieren, bevor ich sie beurteile." Der Hauptgrund für seinen Hass? Gewalt durch Computerspiele?Nein. Sie sind für ihn nur eine kolossale Zeitverschwendung!

Bei ihm zu Hause würde es sowas nicht geben. Jedenfalls nicht so lange er lebt. Bis dahin bekommen seine Kinder nur eins: Wind, Luft, Regen und alles andere was die Natur zu bieten hat.

Meine Meinung? Klar, Video- und Computerspiele sind, meistens jedenfalls, eine Zeitverschwendung. Natürlich, das gebe ich gerne zu. Aber das sind Wandern, Malen, Puzzlen und viele andere Freizeitbeschäftigungen auch. Oder etwa nicht? Doch muss ich diese Aktivitäten, wenn ich sie denn nicht verstehe oder begreife, gleich abgrundtief hassen? Nein, das glaube ich nicht. Giles Whittell scheint nicht zu begreifen, dass Computerspiele nur ein neues Medium, eine neue Art sich zu beschäftigen sind. Ich könnte statt am Rechner oder vor der Konsole zu sitzen genau so gut, wie Giles, in der Welt herumreisen, durch die Wälder steifen oder, wie manche Menschen, Modelleisenbahnen sammeln und mit ihnen spielen. Doch leider ist es nun mal so, dass mich diese Aktivitäten nicht sonderlich reizen. Ich mache es mir lieber gemütlich und messe mich per Internet mit Menschen aus der ganzen Welt in Team Fortress 2 oder Command & Conquer 3. Das macht mir Spass, das find' ich gut.

Der Großteil der Freizeitbeschäftigung ist eine kolossale Zeitverschwendung, auch das Herumreisen, ob das Giles Whittell nun erkennen will oder nicht.

Nun bleibt diese Kolumne, wie schon sagte, nicht ohne Folgen. Die meisten Gamer sehen es nämlich gar nicht gerne, wenn jemand ihre Beschäftigung derart herunter putzt, wie es Giles getan hat. In 124 Kommentaren, geben die Spieler ihre Meinung ab und das auf ähnliche Art und Weise, wie Giles Whittell: emotionsgelanden und nicht gerade zimperlich. So wird gefragt, ob er auch Filme, das Fernsehen und Bücher hasse und gemeint, dass er scheinbar nur Angst vor dem neuen Medium habe, das er offenbar nicht begreifen oder verstehen könne. Ein Kommentator fragt sogar, ob der Artikel ein verspäteter Aprilscherz sei.

Gleichzeitig mit den zahlreichen Kommentaren erhielten die Bücher von Giles Whittell bei Amazon, wie im Fall von Cooper Lawrence, zahlreiche neue Kritiken – und zwar keine guten. Sämtliche Bücher von ihm haben nun mehrheitlich negative Rezessionen. Nicht wenige davon greifen die Begründungen auf, die Giles Whittell für die negative Bewertung der Videospiele nutze. Zeitverschwendung, falsche Welten etc. (PS. Ich kann's nicht bezeugen, aber es scheint, als wären so einige Bewertungen schon wieder entfernt worden;)

Picture (CC) by Grahambones

8 Comments:

Anonym said...

Ich hab den ganzen Text zwar nur überflogen aber das ist wirklich interessant. Deine Meinung zu der Zeitverschwendung teil ich übrigens ...

Schöne Grüße,
Manuel

Anonym said...

PWND! Mehr kann ich dazu net sagen.

Anonym said...

"What a colossal waste of time. Going to Central Asia?" Wie genial ist das denn. Ich kann nicht mehr ROFL!

Anonym said...

Einfach köstlich die Kommentare bei der Times. Die muß man wirklich gelesen haben. Der Schreiber der Kollumne hätte denken sollen bevor er sowas veröffentlicht.

daCole said...

Der Mann muß eine schlimme Kindheit gehabt haben, wenn er sich so darüber aufregt. Ich spiele seit 8 Jahren und gehe trotzdem gerne nach draußen. Also, was hat er???

Anonym said...

Na der Mann hat sich was getraut. Will nicht das das mit amazon im recht geschieht aber wie du sagst, hätte ers besser wissen müssen.

Anonym said...

Scheiße Mann, du haßt vollkommen recht! SPielen ist natürlich reine Zeitverschwendung ... genau wie all der andere Schrott! Der Engländer sollte sich nicht so aufführen!

Anonym said...

Also ich finde, dass man die Aktivitäten, die in der Realität stattfinden, nicht mit Computerspielen vergleichen kann. Von daher kann man überhaupt nicht sagen, dass sie Zeitverschwendung sowie Computerspielen sind. Neil Postman (ein bekannter Medienkritiker) hat mal gesagt, dass Medien sich immer nur selbst zu gute kommen. Wenn ich viel Computerspiele, bringt mir das nur in der Computerwelt was. Wenn ich viel im wahren Leben mache bringt mir das im wahren Leben etwas. Aber wenn man mal ehrlich ist, hat man doch nur das wahre Leben. Ich möchte niemanden aufregen, es kann ja jeder selber machen, was er will. Ich (24) hab in meiner Jugend so viel Computer gespielt, auch Pornos geschaut, aber im jetzt im Nachhinein würde ich es alles als Zeitverschwendung sehen. Alles was man im wahren Leben macht, sind Fußspuren die man hinterlässt. Ich versuch immer vom Computerspielen loszukommen, in dem ich mir sage: Ok, du könntest jetzt 8h wow spielen, wenn du in dieser zeit auch nur eine kleine richtige Sache machst, z.B. 1 Tasse abwäschst, hast du mehr geschafft als wenn du spielen würdest. Und dann schafft man meistens noch viel mehr, und ist total stolz auf sich. Es geht soviel Potential und Zeit von so vielen schlauen Köpfen verloren, daher mein Appell: Schreibt Bücher, gründet Bands, geht in Vereine, geht wandern und bleibt im wahren Leben. Denn davon bleiben Erinnerungen, Fußspuren und es ist einfach sovielmehr.