05 März 2008

Grand Theft Childhood: Gewalt in Videospielen


Es gibt mal wieder ein neues Buch zu Gewalt in Computer- und Videospielen. Nichts besonderes? Doch: Das Buch Grand Theft Childhood von Dr. Cheryl K. Olson und Lawrence Kutner, das im April erscheinen soll, beleuchtet das Thema Gewalt in interaktiven Medien von einer relativ objektiven Seite und räumt mit so manchem Vorurteil auf. Auch haben es sich die Autoren nicht nehmen lassen, selbst eine großangelegte Studie durchzuführen und Fehler in anderen Studienreihen zum Thema aufzudecken.

Vieles was wir herausfanden, überraschte uns. Die Daten waren beides: beruhigend und, manchmal, verstörend. Je mehr wir unsere Ergebnisse analysierten und unsere Forschung betrachteten, umso mehr realisierten wir, dass wir – Eltern, Politiker, Wissenschaftler und Jugendschützer – uns zu sehr um die falschen Dinge sorgen und zu wenig auf die subtilen Aspekte, komplexen Effekte achten, die unsere Kinder viel wahrscheinlicher beeinträchtigen.

Gegenüber GameCouch sagte Dr. Cheryl K. Olson, dass viele Studien zum Thema falsch angegangen wurden – oder man es sogar darauf anlegte, beunruhigende Ergebnisse zu erlangen.

Die meistpropagierten Studien stammen von einer kleinen Gruppe von Experimentalpsychologen. Sie nahmen Collegestudenten und ließen sie 15 Minuten gewalthaltige und nicht-gewalthaltige Spiele spielen. Es ist fraglich, ob solche Studien auf echte Kinder übertragen werden können, die freiwillig selbst ausgewählte Spiele spielen ...

Cheryl K. Olsons und Lawrence Kutners Studie sei daher anders angegangen worden und habe andere Ergebnisse erzielt. Die Autoren und ihr Mitarbeiter hätten keine politische Agenda verfolgt und wären möglichst vorurteilsfrei an die Arbeit gegangen. Statt auf Collegestudenten setzte man auf 1.200 echte Kinder und deren Familien – aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und sozialen Schichten. Und die Kinder durften, im Gegensatz zu anderen Versuchsreihen, selbst gewählte Games spielen – wie es auch im realen Leben der Fall ist.

Eines der überraschensten Resultate war, auf welche Weise viele 12 bis 14jährige die Grand Theft Auto-Games spielen (...) Wir fanden heraus, dass die meisten Kinder, die GTA spielen, die Charaktere nicht als Individuen und das Spiel nicht als Abbild der Wirklichkeit wahrnehmen. Die Irrealität ist sogar ein Faktor, den sie an der Spielreihe besonders mögen. Sie können Grenzen austesten und Dinge tun, wie etwa ein Junge sagte, die einem hoffentlich nie selbst widerfahren werden.

Weiterhin würden manche Kinder, Spiele nutzen, um Gefühle zu kanalisieren: 'Frust und Ärger rauslassen', Probleme vergessen oder entspannen.

Auf der Website der beiden Autoren von Grand Theft Childhood werden schon vorab einige interessante Mythen und populäre aufgedeckt, die so mancher Gamer wohl schon selbst glaubt. Etwa dass Mädchen keine oder weniger 'Killerspiele' spielen. Laut der Studie ist das falsch: Bei den Mädels war die Grand Theft Auto-Serie auf Platz zwei der beliebtesten Games – gleich hinter den Sims. Und ebenso wird der populären Behauptung auf den Grund gegangen, dass Spiele Kinder und Jugendliche darin schulen, mit echten Waffen zu zielen... Auch Tipps für die Eltern, wie man mit Videospielen umgeht, kommen nicht zu kurz.

Glaubt mir, die Auszüge aus dem Buch sind wirklich lesenswert!

4 Comments:

azazoth said...

Thanks for the link. Sadly, my German is limited to "Wie ist das Wetter Heute?" and "Gleich um die Ecke".

Terry, GameCouch.com

Michael | neuerSpieler said...

No problem ;-) The Interview was great and fits wonderful to the present discussion about violent Video Games, that happens in germany.

Anonym said...

Klingt toll! Das Buch sollte man mal so einigen Politikern zukommen lassen.

mario said...

Ich kann die Diskussion langsam nicht mehr hören. Gerade ist es in Deutschland etwas abgegebbt ... da geht's in der Schweiz los.