25 März 2008

Die 10 größten Enttäuschungen der Videospiel-Geschichte!


Leider hab' ich erst jetzt entdeckt, dass die Zockerfreunde vom ComputerBild Spiele eine ähnliche Liste aufgelegt haben. Glücklicherweise überschneidet sich diese mit meiner nicht allzu sehr. Klar, die üblichen Verdächtigen haben wir uns jedoch beide – wie schon mancher vorher - vorgeknöpft, was den Grad der Enttäuschung über manche Titel nur noch bekräftigen kann. Will heißen: Wer noch mehr Enttäuschungen der Videospielgeschichte sehen will, der schaue bei den Freunden von CBS vorbei.


#1 - Daikatana von Ion Storm
So übel es auch ist: Wer über enttäuschende Computer- und Videospiele schreibt, der kommt um Daikatana - leider Gottes - nicht herum. Geht einfach nicht, da es das Musterbeispiel eines enttäuschenden Games darstellt.

1997 hatte id-Veteran und Level-Designer-Legende John Romero seine eigene Firma, genannt Ion Storm, gegründet und als Top-Titel eben diesen Ego-Shooter angekündigt. Daikatana sollte wirklich revolutionär werden. Und da es John Romero war, der das sagte, glaubte man das auch. Sowohl in Sachen Gameplay als auch Grafik sollte Daikatana alles da gewesene in den Schatten stellen. Eine neue Epoche, so schrieben manche Videospiel-Magazine, würde eingeläutet werden.

Doch Pusteblume! Nach etlichen Release-Verzögerungen, einigen Engine-Wechseln kam das Game anno 2000 auf den Markt und ... tja, keiner mochte es so richtig gut finden. Die Grafik war mittlerweile veraltet, das Gameplay sehr behäbig. Es schwankte zwischen gut und grauenvoll. Und die revolutionären Ansätze waren nur in Form von selbst agierenden Begleitern vorhanden, die jedoch so dumm waren, dass sie sich regelmäßig von schließenden Türen zerquetschen ließen. Romero muss sich heute noch den Spott und Hohn wegen Daikatana gefallen lassen, weshalb er bis heute nicht über sein neuestes Spiel geredet hat.


#2 – Fable von Lionhead Studios
Den gleichen Fehler wie Romero hatte auch Molyneux gemacht – und das nicht zum ersten Mal, dazu später mehr. Für sein episches Rollenspiel Fable, vormals Project Ego, hatte er 'nie dagewesenes' an Features und Möglichkeiten verkündet. So würde der Spieler Kinder haben können. Oder es gäbe auch die Möglichkeit, am Anfang des Spieles eine Eichel zu vergraben, aus der mit der Zeit ein ganzer Baum heranwächst.

Vieles was Molyneux angekündigt hatte, schaffte es nicht ins Spiel. Was wirklich enttäusche. Anderes dagegen, wie etwa der alternde Held, machten Fable trotzdem zu etwas Besonderem. Darüber hinaus hatte sich Peter Molyneux höchst selbst entschuldigt. "Alles worüber ich geredet habe, war in Entwicklung - aber nicht alles hat's geschafft. Oft war der Grund dafür, dass ein Feature einfach keinen Sinn machte. (...) Leute die ein spezielles Feature erwarteten, das nicht dabei war, waren natürlich enttäuscht. Wenn du einer davon warst, dann entschuldige ich mich dafür. Ich kann nur sagen, dass Fable das beste Spiel ist, dass wir machen konnten, und dass viele es wirklich zu mögen scheinen."

Und weiterhin sollen es manche Features nun ins Sequel kommen ...


#3 - Enter the Matrix von Shiny
Eigentlich hatte Enter the Matrix viel Potential gehabt. Schließlich sollte es, nach den Willen von Warner Bros. und den Wachowsky-Brüdern, die Story von Matrix, Matrix Reloaded und Matrix Revolutions quasi komplettieren und erweitern. Zudem hatte man mehr als 30 Millionen US-Dollar in die Entwicklung gepumpt. Die Entwickler von Shiny Entertainment, die ansonsten Großartiges boten, haben's allerdings – aufgrund des Zeitdrucks - ziemlich verhauen.

Enter the Matrix wartete zwar mit den Original-Synchronsprechern und tollen Zwischensequenzen auf, konnte dem Spieler ansonsten aber nicht viel bieten. Das Gameplay war teils ziemlich frustrierend, die Grafik schwankte zwischen gut und 'für die Tonne' und vom Stile der Filme konnte man fast nichts hinüber retten. Außerdem war die Release-Version mit zahlreichen Fehlern gespickt, die die Spielfigur schon mal in einer Wand oder der Luft stecken blieben oder Gegner aus dem Nichts erscheinen ließ.

Nichtsdestotrotz verkaufte sich das Spiel, vor allem wegen der pompösen Marketingkampagne, in den ersten sechs Wochen mehr als 2,5 Millionen mal und war somit ein voller kommerzieller Erfolg.


#4 - Black & White von Lionhead Studios
Und jetzt, wie gesagt, nochmal zu Peter Molyneux. Black & White war das erste Spiel, das er nach seiner Flucht von EA und der Gründung von Lionhead entwickelte. In unzähligen Interviews hatte er verkündet, was die Göttersimulation alles bieten sollte und wie grandios das Spiel werden sollte. Und was er da so sagte, hörte sich wirklich toll an. Von Magazinen wurde Black & White schon als das 'Beste Spiel aller Zeiten' bezeichnet. Und das hätte es auch werden könne, falls alles geklappt hätte.

Nach dem Release zeigten sich viele Spieler und Fachkritiker allerdings etwas oder sogar mehr als enttäuscht. Etliches was geplant war, war nicht oder nur teilweise implementiert worden. Auch war die Steuerung des Spieles umständlich und nur halb so innovativ geworden, wie versprochen. Trotzdem wurde Black & White von vielen als gut und innovativ bewertet, was es auch war. Die etlichen fehlenden Features machten das Spiel trotzdem enttäuschend und zu einem Opfer eines überdrehten Hypes.

Molyneux selbst sagte rückblickend bei BCC-Blast, dass er bei Black & White viele Fehler gemacht habe. Dennoch sei es sein interessantestes Spiel, da es trotz allem eine atemberaubende Dynamik habe und den Gedanken von Gut und Böse aufgreift. Und, tja ... wo er Recht hat, hat er Recht.


#5 - Command & Conquer: Tiberian Sun von Westwood
Als Command & Conquer: Tiberian Sun angekündigt wurde, war die Freude unter den Fans der fantastischen Echtzeitstrategie-Serie verständlicherweise groß. Schließlich versprachen die Entwickler von Westwood viel. Viel dynamischer, ansprungsvoller und 'cooler' sollte das Tiberium-Universum und das Gameplay der Serie werden. Dafür sorgen sollten Wettereffekte, Superwaffen und neue Einheiten. Unter anderem auch ein Fahrzeug, das aus zerstörten Einheiten neue zusammenbauen könne.

Dank etlicher Schwierigkeiten wurde der Release einige Male verschoben, womit sich die Entwicklung über insgesamt 4,5 Jahre hin zog. Viele angekündigte Features wurden abgestuft oder komplett eliminiert, was nachdem Release deutlich für Unmut sorgte. Aber auch Elementares wie die KI, die Graphik, das Missionsdesign oder der Soundtrack konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Besonders letzteres war purer Wehrmut ...

Viele Fans und Kritiker betrachteten Command & Conquer: Tiberian als unfertig und spekulierten, dass das Spiel auf Drängen von Electronic Arts rasch 'komplettiert' und schnell veröffentlicht wurde, um die Kassen zu füllen. Ein ehemaliger Westwooder bestätigte, dass man eigentlich noch viel vorgehabt hatte.

#6 - Breed von CDV/ Brat Designs
Wem der Name Breed nichts sagt, dem sei verziehen. Denn es lässt sich mittlerweile wirklich nicht mehr viel davon im Netz finden. Selbst die Website des Games ist, obwohl der Titel erst 2004 das Licht der Welt erblickte, nicht mehr online.

Dabei war Breed nach seiner Ankündigung und ersten, wirklich ansehlichen Screens als einer der potentiellen 'Halo-Killer' gefeiert worden. In ferner Zukunft kämpft man in kleinen Squads organisiert gegen bösartige Aliens, wobei man sich Kampfflieger, Panzer und andere Fahrzeuge zu nutze machen kann. Recht Halo-like eben.

Als 2004 das Spiel der Firma Brat Designs durch CDV veröffentlicht wurde, war das Geschrei aber groß. Dank unzähliger Bugs war Breed für viele fast unspielbar, davon durfte ich mich höchstselbst selbst überzeugen. Gespeicherte Spielstände verschwanden, das Spiel hängte sich urplötzlich auf und KI-Mitspieler blieben, an, in und auf Ecken hängen ... oder ertranken im Wasser – und manchmal auch an Land. Das teils kramfige Gameplay und fehlende Balancing taten ihr Übriges. Aufgrund der massiven Kritik gab CDV wenig später im offiziellen Forum sogar ein Statement ab: "Fakt aus CDV-Sicht ist jedoch, dass wir selbiges Spiel erst spielbar gemacht haben. Die Level, die von Brat abgeliefert wurden, waren zum größten Teil unspielbar, das Balancing so gut wie nicht vorhanden und auch die Texturen unansehnlich (...)"


#7 - Galleon von Confounding Factor
Wer sagen würde, dass man 2001 von dem Piraten-Game Galleon nicht viel erwartet hat, der lügt. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Toby Gard, der Mann hinter Tomb Raider zeigte sich für das Spiel verantwortlich. Außerdem versprachen erste Screenshots und Story-Hintergründe durchaus viel Action und tolle Szenarien.

Leider war das Spiel, das dann 2004 erschien eher, sagen wir, durchwachsen. Das mag durchaus darin gelegen sein, dass das Grunddesign einige Male kräftig überarbeitet und mehrmals der Publisher sowie die Plattform für die Erstveröffentlichung – Playstation, DreamCast, XBox – gewechselt wurden. Zwar war es immer noch spaßig und recht interessant, doch sowohl graphisch als auch in Sachen Gameplay wirkte es ab und dann doch recht rückständig und antiquiert.

Im Großen und Ganzen war Gelleon zwar nett aber trotzdem enttäuschend.


#8 - Kane & Lynch: Dead Men von IO Interactive
Diese Enttäuschung kam wirklich sehr, sehr überraschend. Kane & Lynch: Dead Men basierte auf einer recht einfachen aber brillanten Idee! Man nehme einen abgewrackten Söldner und einen total durchgeknallten Psychopathen und schicke sie auf ein waghalsiges Abenteuer, bei dem sie immer wieder aneinander geraten. Klingt interessant? Klar, doch! Und da die Hitman-Macher, IO Interactive, dahinter stecken urteilten viele Magazine in ihren Previews, dass es nur ein Erfolg werden kann.

Leider enttäuschte Kane & Lynch: Dead Men doch ziemlich arg und kassierte daher recht durchmischte Kritiken. Die Idee und Story war toll, doch Gameplay, dumme Gegner, gegen Ende recht eintönige Spielmechanik und eine vermurkste Steuerung ließen das Game 'ganz nett' aber nicht wirklich gut erscheinen. Auch war die Qualität der Szenarien recht schwankend. Von öde bis beeindruckend war so ziemlich alles dabei, was geht. Das Maß das Hitman vorgelegt hatte, war mit Kane & Lynch also nicht erreicht worden.

Kurz gesagt: Da wäre mehr drin gewesen, denn das Potential war da. Hoffen wir, dass die Filmadaptation und das Sequel besser werden als das Original.


#9 - Gothic 3 von Piranha Bytes
Ja, mit Story und Gameplay ist bei Gothic 3 eigentlich alles weitestgehend im Lot. Auch die Szenarien und Atmosphäre sind durchaus stimmig. Doch ganz konnte das Game den Lobhudeleien der Presse nicht gerecht werden.

Die wirklich tolle, detailreiche Welt von Gothic 3 stand beim Release etlichen, fast schon grotesken Bugs gegenüber, die einem den Spaß am Spiel schnell verdarben. Und leider waren diese nicht immer nur technischer, sondern auch inhaltlicher Natur, womit ein Weiterkommen im Spiel stellen weise qualvoll bis unmöglich wurde. Und so etwas ist wirklich enttäuschend – insbesondere wenn man den ersten und zweiten Teil der grandiosen Gothic-Reihe von den Jungs von Piranha Bytes kennt.

Noch etwas enttäuschender war, dass selbst der erste Patch nicht wirklich Abhilfe schaffte. Und zumindest bei mir mehr Probleme bereitete, als er löste. Wäre man kurz vorm Release etwas sorgfältiger und weniger voreilig gewesen, würde Gothic wohl nicht auf dieser Liste stehen.


#10 - Turning Point: Fall of Liberty von Spark Unlimited
Turning Point: Fall of Liberty sorgte bei seiner Ankündigung durchaus für Begeisterung. Denn das Spiel bot und bietet ein durchaus interessantes Szenario. Eines der Art, wie es bisher hauptsächlich Romanen vorbehalten war: Eine Alternativweltgeschichte, in der Winston Churchill bei einem Unfall umkommt und Deutschland während des zweiten Weltkrieges ganz Europa unterjocht. 1953 starten die Achsenmächte - 'Das Großdeutsche Reich' und Japan - eine Invasion der USA, gegen die man etwas unternehmen muss.

Leider haben es die Macher, die Jungs von Spark Unlimited, nicht geschafft ihre einzigartige Hintergrundgeschichte auszubauen und auszunutzen. Stattdessen gibt’s nur eine total lineare Storyline und dumpfes Geballer in wenig beeindruckenden Umgebungen. Schade. Auch aus diesem Spiel hätte man weitaus mehr machen können.

Übrigens: Erklärt wurde die dumpfe Erfahrung der Kritiker damit, dass sich das Spiel an Gelegenheitsspieler wende und nicht an Hardcore-Zocker.

4 Comments:

Anonym said...

Fable war eigentlich nicht so enttäuschend ... war zwar etwas zu viel Kämpferei sonst aber topp! Mit Tiberian Sun haßt du aber wirklich recht. Das Spiel haben die verbockt.

Anonym said...

Geht in Ordnung die Aufführung. Gothic 3 ist für mich eine enttäuschung gewesen. Black & White auch. Turning Point und Galleon kannte ich bis jetzt nicht.

Maximilian said...

Über Black and White ärgere ich mich heute noch sehr. Peter hatte ewig viel versprochen und dann ... dann kam fasst nur die Hälfte von dem rein was er versprochen hat. Tatsache.

Kane and Lynch war auch nicht überragend.

Anonym said...

Tolle To10-List!