04 Februar 2008

Keine Ahnung vom Effekt der Masse


"Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten", hatte Dieter Nuhr einst harsch und überdeutlich festgestellt. Aber, was soll man sagen, der Mann hat recht. Das bekam kürzlich auch Cooper Lawrence zu spüren bekommen. Die Psychologin und Autorin beschäftigt sich eigentlich mit Selbstverwirklichung, 'Inneren Frieden' und war ein Dauergast in verschiedenen Talk Shows, in denen sie darüber schwadronierte, wie man das Beste aus sich machen könnte. Doch vor einigen Tagen, da beging die erfolgreiche Talk Show-Hopperin einen Fehler, den sie wahrscheinlich nie mehr vergessen wird: Sie sprach über Computerspiele, etwas von dem sie keine Ahnung hat, und brachte damit die Spielergemeinde gegen sich auf!

Eigentlich sollte in der Fox News-Sendung 'The Live Desk' objektiv über das Thema Sex in Computerspielen debattiert werden. Aufhänger der Diskussion, so wurde in einer Maz gezeigt, würde das epische Rollenspiel Mass Effect sein, in dem, wie die Modernatorin Martha MacCallum behauptete, "klar erkennbarer Sex vorkommt und die spielende Person eindeutig entscheidet, was zwischen den beiden Spielfiguren passiert". Betitelt wurde das Thema passend mit der Wortspielerei 'Se'XBox.

MacCallum gab an ihre beiden Gäste Cooper Lawrence und den Videospiel-Journalisten Geoff Keighley sofort die Frage weiter, wie gefährlich so etwas sei. Schließlich würden auch Kinder Zugang zu derartigen Spielen haben, obwohl diese nur für Erwachsene freigegeben sind. "... die Gefahr ist die: Wir wissen, dass Studien zeigen, dass Gewalt einen abstumpfenden Effekt hat. Ja, und bei der Sexualität ist das genau so. Wir sehen all diese Lustobjekte (...) diese heißen Körper. Und es ist ein Mann, der in diesem Spiel entscheidet, mit vielen Frauen er schlafen will", erklärte Lawrence ihre Ansicht. Geoff Keighleys Einwände, dass der Spielinhalt vollkommen falsch wiedergegeben werde, man auch als Frau spielen kann und es insgesamt nur 2 Minuten nackte Haut zusehen gibt, wurden nicht weiter beachtet. Auf die Frage, ob die "Psychologie-Expertin" Mass Effect jemals gespielt habe, wurde mit einem Kichern und "Nein..." geantwortet. Spätestens hier wurde vielen Computerspielern klar, dass sie die Frau nicht weiß, wovon sie redet. Noch einige Male versuchte Keighley zu erläutern, wie es im Spiel wirklich zugeht. Doch sowohl Cooper Lawrence als auch die Fox-Moderatorin wollten von ihrer eingeschlagenen Linie nicht abweichen.

Im Anschluss an die Sendung hatten zunächst Electronic Arts/BioWare und später auch die Entertainment Consumers Association Fox News zu einer Richtigstellung aufgefordert. Die Darstellung des Spiels sei irreführend, missverständlich und polemisch gewesen – es existiert in Mass Effect weder pornographisches Material, noch kann der Spieler während der sogenannten Sexszenen agieren. Und auch die gekränkten Spieler blieben nicht untätig. In unzähligen Foren und Blogs machten sie ihrem Ärger Luft und wie man bei Amazon.com sehen konnte, sammelten die Bücher von Cooper Lawrence plötzlich erstaunlich viele Negativ-Rezensionen. Bei ihrem letzten Werk - The Cult of Perfection – hatten sich über 400 Wertungen angesammelt, bevor der Online-Buchhändlier sich entschloss, diese und alle restlichen zu löschen, da sich diese offensichtlich nicht auf das Buch selbst, sondern die Autorin bezogen. Doch die Flut scheint nicht zu stoppen – mittlerweile haben sich schon wieder über 50 'Leser' gefunden, die das Buch nur mit einem Stern benoten und schreiben, dass es nutzlos sei und Cooper schreibe, was die Leute eh schon wissen.

Cooper Lawrence hatte daraufhin Einsehen und sagte gegenüber der New York Times, dass sie sich falsch ausgedrückt habe "Ich bedaure jetzt, was ich gesagt habe und ich habe das Spiel mittlerweile gesehen und weiß nun, dass die Sex-Szene quasi ein Witz ist." Sie habe Episoden der Serie Lost gesehen, die mehr Erotik zeigen. Bei ihrem Urteil habe sie sich vor der Show lediglich auf Hörensagen verlassen. Fox News ließ sich dagegen nicht auf die Kritik ein und scheint auf der Darstellung in der Sendung zu beharren.

Die Mehrheit der Spieler, so scheint es, nimmt die Erklärung und Entschuldigung von Cooper Lawrence an. Nach einer Umfrage von GamePolitics würden 52 Prozent der gebeutelten Psychologin vergeben. Knapp 37 Prozent meinen, das kommt keinen Fall in die Tüte – Vergeben, von wegen. Und 11 Prozent sind noch unentschlossen, wie sie der Dame zukünftig begegnen wollen.

Picture Fansite Kit (C) by EA/BioWare

0 Comments: