22 Februar 2008

Gute Spiele haben ihren Preis. Ist das so?


"Computerspiele gehören zu unserer Kultur, sie sind Kulturgut. Musiker, Grafiker, Designer und Autoren arbeiten auf hohem kreativen Niveau und leisten einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in Deutschland", das sagte die CDU / CSU-Bundestagsfraktion, nachdem die schwarz-rote Mehrheit am Donnerstag, den 21.02.'08, gemeinsam für einen Preis für "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle" Computerspiele gestimmt hat. Damit ist die Sache praktisch beschlossen.

Auch die SPD meinte schon im Vorfeld, "Inzwischen hat sich immer deutlicher gezeigt: Computerspiele eigenen sich kaum als Sündenbock in einer Diskussion um Gewalt. Wir wollen einen effizienten Jugendmedienschutz, eine bessere Medienkompetenz und keine populistischen Placeboverbote. Computerspiele gehören zur Alltagskultur von immer mehr Spielerinnen und Spielern (...) gleichzeitig sind sie innovativer Motor für die technologische Entwicklung und damit eine wichtige Zukunftsbranche."

Falls Organisation rund läuft, so der Plan, soll der 'Deutsche Computerspielepreis' noch in diesem Jahr das erste Mal verliehen werden. Alleine die Regierung will knapp 300.000 Euro als Preisgelder bereitstellen. Was von der Wirtschaft hinzukommen wird, das bleibt noch abzuwarten. Doch dürfte eine Beteiligung der großen Publisher wohl zu erwarten sein.

Nun sind die Bemühungen unserer Politiker, die Branche zu fördern und sich aktiv mit dem Thema auseinander zusetzten, natürlich erstmal vollkommen positiv zu werten. Nur scheint man das Feld der Computerspiele immer noch in einem einfachen Schwarz/Weiß-Schema zu betrachten. Auf der einen Seite finden sich guten, lehrreichen und förderungswürdigen Spiele wieder, auf der anderen die schmuddeligen, gewaltbeherrschten und bösen Baller- und Metztelspiele, die man weghaben möchte. Von Differenzierung und Objektivität offensichtlich keine Spur. Da stellt sich für mich natürlich die Frage, welche Spiele mit dem ausgelobten Preis ausgezeichnet werden sollen. Ist ein Crysis 'qualitativ hochwertig' und 'kulturell und pädagogisch wertvoll'? Oder wird es, weil es ein Ego-Shooter ist, erst gar nicht berücksichtigt? Und was ist mit Anno 1701? Auch in diesem Spiel wird gekämpft, es werden Schlachten geführt.

Falls man von vornherein ganze Genre für einen 'Deutschen Computerspielepreis' aussperrt, ist dieser weder kulturell noch wirtschaftlich sinnvoll. Auch fürchte ich, dass man der Kreativität eines Produktes keine sonderliche Beachtung schenken wird. Dass ein Game alá Darwinia einen Preis bekommt, das kann ich mir momentan nicht vorstellen.

Aber ich möchte nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Letztlich hängt wohl vieles von der Jury ab. Diese soll, wie heise.de berichtet, natürlich 'unabhängig' sein. Doch wen will man in diese Runde rein setzten? Politiker, Spieleentwickler, Kulturbeauftragte oder Vertreter der Fachpresse? Jemanden zu finden, der sich mit der Materie auskennt und 100%ig unabhängig ist, dürfte keine leichte Aufgabe werden. Zumal Computerspiele wohl weit schwieriger zu beurteilen sind als etwa ein Film. Alleine der zeitliche Aufwand für's Spielen muss berücksichtigt werden.

So dürfte die Organisation des 'Deutschen Computerspielepreis' wohl keine leichte Aufgebe werden. Doch falls man die Unternehmung ernsthaft, objektiv und ohne Vorurteile angeht, dann könnte sich der Aufwand wohl letztlich doch lohnen. Denn am Ende würden nicht nur die Entwickler sondern auch Spieler profitieren.

Picture (CC) by Alan Light

0 Comments: