25 Februar 2008

EA oder Nicht-EA, das ist hier die Frage!


Electronic Arts will also Take Two (T2) kaufen. Ein erstes Angebot hatte man Anfang Februar gemacht. Doch dieses wurde abgelehnt. Und nun hat man eine zweite, etwas höhere Offerte von knapp 2 Milliarden US-Dollar angebracht. Doch auch diejenige fand Take Two zu niedrig, weshalb sich EA nun öffentlich über die Sturheit beklagt und sein Bestreben, samt passender Website mit näheren Infos, öffentlich machte. Nicht gerade die feine englische Art, aber äußerst interessant, wie man bei näherer Betrachtung erkennt.

Grob gerechnet will Electronic Arts pro Take Two-Aktie 26 US-Dollar hinblättern. Das ist ein Bonus von rund 64 Prozent zum Schlusskurs der Aktie vom Freitag. Nicht gerade wenig also. Dennoch wurde es aber als "unangemessen und zu niedrig" zurück gewiesen. Warum? Der geneigte Computerspieler weiß es! Grand Theft Auto IV steht vor der Tür – und das wird weggehen wie warme Semmeln. Daran gibt keinen Zweifel.

Wie Take Two verkündete, sei das Angebot von EA im höchstem Maße opportunistisch. Der Branchenriese aus Redwood City versuche lediglich, von dem bevorstehenden Release von Grand Theft Auto IV zu profitieren. Einem der kostbarsten und solidesten Franchises der Branche. Strauss Zelnick von Take Two sagte, "Electronic Arts' Angebot (...) kommt zur absolut falschen Zeit. Wir sind stolz auf unser einzigartiges Portfolio von Franchises, das bemerkenswerte kreative Talent (unserer Entwickler) und unseren loyalen Kunden. Wir glauben unsere Anleger werden einen größeren Gewinn davon tragen, wenn wir unsere Strategien und Bemühungen weiter auf unsere Mission konzentrieren, qualitativ hochwertige interaktive Unterhaltung zu entwickeln." EA-CEO John Riccitiello prophezeit dagegen, dass Take Two ohne Hilfe bald im Graben landen könnte. Und falls sich die GTA-Macher doch noch zur Übernahme entschließen würden, würde man die neuen Familienmitglieder schon nicht allzu hart anpacken.

Mittlerweile hat das Take Two-Board seine Entscheidung, die Übernahme vorerst zu verweigern, nochmals bekräftigt. Dennoch, so Strauss Zelnick, dürfe man dieses als keine generelle Abfuhr verstehen. Gerne könnte man die Diskussion weiterführen – aber erst nachdem Grand Theft Auto IV auf dem Markt ist.

Die Entscheidung von Take Two dürfte zwar manchem Anleger nicht gefallen aber den Spielern umso mehr. Denn, wie schon mal geschrieben, hat EA einen gewissen Ruf. Spieleschmieden die der Riese vereinnahmt, würden nicht selten einem jähen Ende entgegen sehen. Kreative Köpfe würden fliehen und gute Spiele-Titel und -Serien in Form von Sequels, Prequels und SpinOffs gnadenlos ausgeschlachtet werden. An dieser Meinung haben auch die kürzlichen Beteuerungen von Electronic Arts CEO John Riccitiello nichts geändert.

Mit dem Kauf von Take Two würde Electronic Arts nicht nur die beliebte Serie Grand Theft Auto in in ihren Besitz kriegen, sondern auch Midnight Club, Manhunt und BioShock, sowie einige interessante Titel, die uns noch bevorstehen. Dass, so orakelt Kotaku, würde wohl früher oder später dazu führen, dass unzählige mittelmäßige GTA-Spiele auf den Markt geworfen werden. In Sachen Qualität sei EA zwar nicht so schlimm wie immer gesagt wird, aber an Take Two kommt das Unternehmen eben nicht ran. Auch ist nicht auszuschließen, dass die EA-Spiele mit in-Game-Werbung voll gepackt werden, um die Titel gewinnbringender zu gestalten.

Andererseits könnte ein Zusammenschluss von EA und Take Two auch einige Vorteile haben. Electronic Arts hat einen starken finanziellen Rücken und kann es sich leisten, auf konsolenexklusive Titel zu verzichten. Stattdessen wird für alle Plattformen entwickelt und nicht selten zeitnah veröffentlicht. Auch würde EA keine Probleme mit Klagen und deren Abwehr haben – da werden einfach die Anwälte aus dem Schrank geholt und fertig.

Trotzdem. Ich hoffe, dass Take Two standhaft bleibt und versucht, selbst weiter zukommen. Und mit den angekündigten Spiele, Studios wie Rockstar North und der gewohnten Qualität ist das auch machbar.

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