12 Februar 2008

EA: Es tut uns leid – um Bullfrog, Westwood und Origin!


Für viele Video- und Computerspieler ist Electronic Arts so etwas wie der Mephistopheles der Spielebranche. Sobald der Gigant aus Redwood City ein kleines aufstrebendes Entwicklerstudio aufkauft, kann man davon ausgehen, dass dieses binnen weniger Jahre seinem Ende entgegen sieht und die Mitarbeiter sich in alle Winde zerstreuen – so die Meinung. Und damit, das konnte man leider schon zu oft sehen, kommt auch das – zumindest qualitative - Ende erfolgreicher Spiele-Serien. Daher ist es kein Wunder, dass dem Branchenriesen nicht gerade selten der blanke Hass der Spielergemeinde entgegen schlägt, wenn mal wieder eine Übernahme einer kleinen aber feinen Hinterhofschmiede ansteht.

Bei EA ist man sich dessen offenbar bewusst (geworden?). Auf dem 2008 D.I.C.E. Summit in Las Vegas erklärte Electronic Arts CEO John Riccitiello gegenüber den Anwesenden, dass man sich bessern wolle und man eindeutig Fehler gemacht hat. "Das 'Erobern und Kommandieren'-Modell (...) funktioniert nicht. Wir bei EA haben's vermasselt, und da ich zu einem gewissen Punkt selbst involviert war, habe auch ich's vermasselt." Es tue ihm leid, was einst Bullfrog passiert sei. Und Westwood. Und nicht zuletzt Origin Systems.

Bullfrog hatte seit 1987 mit der revelutionären Populous-Reihe, Syndicate Theme, Hospital und vor allem dem Echtzeit-Strategietitel Dungeon Keeper große Erfolge eingefahren und Traumwertungen geerntet. Firmengründer Peter Molyneux avancierte daher schnell zur Game Design-Legende. 1995 wurde Bullfrog von Electronic Arts aufgekauft. Nur zwei Jahre später verließen Molyneux und einige weitere Mitarbeiter die Firma mit der Begründung, dass ihre Kreativität und Freiheiten zu sehr eingeschränkt würden. Anno 2001 erschien das letzte Spiel von Bullfrog, woraufhin die übrigen Mitarbeiter mit dem Studio EA UK zusammengelegt wurden.

Ganz ähnlich lief es bei den Westwood Studios. Der 1985 gegründete Entwickler verdiente sich zunächst mit Systemportierungen von Computerspielen seine Sporen, sorgte aber bald selbst mit Projekten wie Eye of the Beholder, The Legend of Kyrandia, Dune, Lands of Lore und der Strategie-Reihe Command & Conquer für Aufsehen und kleine Revolutionen. Im Jahre 1998 ließen sich die Westwood Studios von Electronic Arts übernehmen. Etliche Mitarbeiter hielten dies für eine grundfalsche Entscheidung und gingen. Nachdem erscheinen einiger weiterer Spiele, wurden die Westwood Studios März 2003 geschlossen. Mehrere ehemalige Mitarbeiter gründeten daraufhin Petroglyph Games,

Origin Systems bestand knapp ein Jahr länger als Westwood. Das 1983 von Richard "Lord British" Garriott gegründete Unternehmen hatte mit der Ultima- und Wing Commander-Reihe eine mehr als erfolgreiche Geschichte vorzuweisen. 1992 entschloss sich EA die Firma aufzukaufen und sie in Origin umzutaufen. Unter EA-Herrschaft veröffentlichte das Entwicklerteam anno 1997 Ultima Online, was aufgrund seines Erfolges Electronic Arts veranlasste, die Firma als Online-Game-Entwickler zu etablieren. Nachdem Richard Garriott 2000 das Unternehmen verließ, mehrere laufende Projekte gecancelt wurden, kam 2004 das inoffizielle Aus für Origin. Damit hatte EA eine der erfolgreichsten Firmen der 80er und 90er Jahre ins Verderben geführt.
John Riccitiello sagte dazu weiter: "Bullfrog, Origin, Westwood. Allesamt existieren sie heute nicht mehr, da etwas zerbrochen ist und, ich sag's einfach, EA Mist gebaut hat." Erst in Gesprächen mit Mitarbeitern habe er erfahren, dass sich diese durch die Firmenpolitik und die Bürokratie wie erdrosselt gefühlt hätten. Sie wären sich unbeachtet und ungehört vorgekommen. "Entwicklerteams sind wie Blumen in einem Gewächshaus", meint der EA-Chef, " ... du drehst die Temperatur ein bisschen hoch oder runter und die Pflänzchen gehen ein."

Wenn man einfach ein unabhängiges Studio übernimmt, diesem den eigenen Namen aufdrückt und auf Erfolge hofft, mache man einen gehörigen Fehler. "Es gab den Traum, dass wir alle eine große, glückliche Familie sein könnten", erläuterte Riccitiello. Doch der Traum war eben nur ein solcher. In Zukunft müsste sich daher einiges ändern. Publishers und Entwickler müssen auf eine neue Art und Weise zusammenarbeiten. Man könne neue Unternehmen nicht einfach vereinnahmen, sondern müsste sie weiter unabhängig agieren lassen – wie einen Stadtstaat. Die neuen Aufkäufe von Electronic Arts sollen im Gegensatz zu Bullfrog, Westwood und Origin Systems die Kontrolle über ihre Arbeit, ihre finanziellen Mittel und ihre Firmenkultur behalten. Garantieren, dass dieser Weg der richtige ist, das kann und will Riccitiello nicht. Doch derzeit, so sagt er, geht es den Neuerwerbungen EA's, BioWare und Pandemic, ganz gut.

Ob sie letzten Endes vielleicht doch noch zu einem neuen Bullfrog werden, das wird sich noch zeigen müssen ...

Quellen & via: uk.gamespot / Game Life(Wired) / wikipedia

4 Comments:

Anonym said...

Poah toll. Drei der besten Spielefirmen niederreiten und dann sagen: Uns tuts ja sooo leid. Super ...

Anonym said...

Tja legendäre Spielefirmen fressen.
DAS KANN EA AM BESTEN !!!
hätte EA z.B. Bullfrog nicht "aufgefuttert" hätten wir vielleicht schon ein populous 4 oder sogar schon 5! Oder irgendwann wird es nur noch EA geben und die Leute würden sagen: "wir brauchen wirklich spieleentwickler mit Fantasie und tollen Ideen und nicht einen ungehobelten Spieleklotz der sie aufkauft und den Zockern schon wieder die Aussicht auf ein originelles Spiel versaut!"

Anonym said...

Kein Dungeon Keeper drei und das nur wegen dem ?@!!~:;! EA!

playsyndicate said...

Einsicht ist aber der erste Schritt zur Besserung. Und die Schritte die EA grad macht, wirken, wenn wir die Folgen der globalen Krise ausklammern, ganz gut.

Ich bin sehr gespannt auf die Resultare der Zusammenarbeit mit externen Entwicklern wie Starbreeze Studios. (Bourne oder Project RedLime)