15 Dezember 2007

Das Militär und die Computerspiele


In der Diskussion um Computerspiele, insbesondere sogenannter Killerspiele, wird immer wieder das Argument angeführt, dass diese auch vom Militär eingesetzt würden, um deren angebliche Gefährlichkeit zu belegen. Und ja, natürlich werden Computerspiele von Militär eingesetzt, allerdings anders, als so manch einer denkt.

Bereits in den 1990er Jahren kam das US-Militär auf die Idee seine Soldaten mit Computerspielen zu trainieren. Heraus kam dabei Marine Doom, eine abgewandelte Version von Doom II: Hell on Earth. Wie heute gerne in der Boulevardpresse gesagt wird, würden Soldaten mit derartigen Spielen das Zielen mit Waffen üben oder darauf konditioniert werden, gegenüber Tötungsakten weniger emotional zu reagieren. Doch das ist – zumindest größtenteils – falsch. Abgesehen davon, dass man mit einer Maus und einer Tastatur wohl kaum eine echte Waffe simulieren und entsprechend das Zielen trainieren kann, hat der Einsatz von Computerspielen beim Militär eine viel tiefgreifenderen Rolle.

Statt den Soldaten ala Rambo durch eine virtuelle Welt rennen zu lassen, sind sie bei den militärischen Computerspielen darauf angewiesen, koordiniert und taktisch zu handeln. Ein gutes Beispiel hierfür bietet "Full Spectrum Warrior" von Pandemic Studios. Dieses Spiel war ursprünglich für die United States Army konzipiert und entwickelt worden und ist anschließend in einer abgeänderten Version in die Läden gekommen. Bei diesem Game gilt es, einen Kampftrupp durch verschiedene Missionen zu führen, wobei viel Wert auf taktisches Vorgehen gelegt wird: Soldaten müssen Deckung suchen, Munition ist stark begrenzt und Verwundungen haben schwerwiegende Auswirkungen. Die militärische Version wurde allerdings nur kurzzeitig von der Army genutzt, da sie "nicht realistisch genug" gewesen sei. Dennoch half sie unter anderem bei der Traumabehandlung für Veteranen.

Im Weiteren sollen Soldaten durch Computerspiele ihre Reaktionszeit verbessern, bisherige Erfahrungen erweitern und ihre Aufnahme und Beurteilung von visuellen und akustischen Reizen schulen. So etwa mit DIVE bzw. DIVE 2 (Dismounted Infantry Virtual Environment), einer stark veränderten Version bzw. Mod von/für Half Life des britischen Ministry of Defence. QinetiQ, ein Rüstungs- und Forschungsunternehmen das früher als Forschungslabor des britischen Verteidigungsministerium agierte, hat den Ego-Shooter Half Life dahingehend modifiziert, dass er eine weit realistischere Simulation und Darstellung ermöglicht. Granaten, Explosionen und Treffer durch Geschosse haben einen authentischeren Wirkungsradius und einen dahingehenden Einfluss auf die Spieler. Auch wurden Effekte, Spielfiguren als auch Level neu erstellt, so dass Soldaten sogar die Wirkung neuer Waffen ohne Gefahr live erleben können.

Ende 2007, so wurde angekündigt, hat das US-Militär TRADOC - "Training and Doctrine Command’s Project Office for Gaming" – ins Leben gerufen. Diese Abteilung wird Computerspiele zwar nicht von Grund auf selbst entwickeln aber Technologien und Engines adaptieren und anpassen, um Computerspiele zu fabrizieren, die dem Erfordernissen des Militärs genüge tun. Auf externe Entwickler will man sich nicht mehr gänzlich verlassen. Wie Jack Millar, Leiter von TRADOC angab, habe es nämlich bisher kein Computerspiel der Entertainment Industrie gegeben, das die Voraussetzungen des Militärs vollkommen erfüllte. Darüber hinaus arbeitet das Militär an einem einfach zu bedienenden Tool Kit, welches es Soldaten ermöglichen soll, Szenarien und Missionen zu erstellen. Hiermit, das hofft man im Pentagon, könnten sich Soldaten effektiv auf reale Missionen vorbereiten und das taktische Vorgehen planen.

Doch nicht nur Kampf und Taktik, sondern auch Umgang, Verhalten, Kultur und Spache sollen die Soldaten am Bildschirm lernen. Hierfür wurde das Tactical Language & Culture Training System entwickelt, das eine Ausschreibung des US-Militärs, die Serious Games Summit & Challenge 2007, gewann. Soldaten können mit der Software den Umgang mit Zivilisten in besetzten Ländern, etwa dem Irak, üben und wichtige Phrasen, Gesten und kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten erlernen, die bei Nichtbeherrschung zu Konflikten mit der Bevölkerung führen könnten. Auch kann das Vorgehen bei Hausdurchsuchungen oder Befragungen simuliert werden.

Mit heimischen Computerspielen hat das Ganze also nur wenig zu tun. Zu unrealistisch und weltfremd sind die meisten Games. Ein echtes taktisches Training ist mit diesen nur begrenzt möglich. Und auch das mit dem Zielenüben kann man vergessen, da einfach zu viele Faktoren entfallen. Man hält keine Waffe oder etwas ähnliches, es existiert kein Rückstoß und auch mit Tunnelblick und realistischer Unschärfe ist nicht viel. Ebenso ist anzunehmen, dass nur die wenigsten Hausdurchsuchungen am PC als Unterhaltung ansehen.

Quellen: Wikipedia, Wired, BBC

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